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SeeMagazin 2016

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Im SeeMagazin berichten wir einmal jährlich von besonderen Menschen und Orten aus dem Fünf-Seen-Land. Ein Projekt, das uns schon fast 10 Jahre begleitet und immer wieder begeistert.

SeeMannsgarn Wie viel

SeeMannsgarn Wie viel Seemann steckt im Fünf-Seen-Mann? von Thilo Durach Der Fünf-Seen-Seemann und das damit verbundene Garn strotzen vor Männlichkeit und Testosteron. Unsere Geschichten sind voller unbarmherziger Stürme, haushoher Wellen, einzigartigem Sportgerät und meist noch gepaart mit Raffinesse bei der Lösung von technischen Problemen. Wenn der Binnen-Seemann von Abenteuern auf dem See und seinem schwimmenden Eigentum berichtet, steckt immer Großes darin. Und wo steht der Seemann vom Ammer- oder Starnberger See im internationalen Vergleich? Ein Blick in die Häfen rund um die Seen offenbart: In puncto Besitz muss der hiesige Wassersportler wenig fürchten. Wohin man blickt, liegt edles Mahagoni, mal mit Segeln, mal bestückt mit 12 Zylin- dern, im Wasser. Meist unbenutzt. Genügen unsere oberbayrischen Stürme für Ruhm und Anerkennung? Um dies herauszufinden, startete ein mutiger Selbstversuch im letzten Sommer. Klingt es doch schon nach großer Story, wenn das fast 100 Jahre alte, selbst restaurierte Boot auf den kleinen Sattelschlepper verladen und mit diesem an die Atlantikküste gefahren wird, um dort um Weltmeisterschaftsehren zu kämpfen! Oldtimer, Frankreich, Weltmeisterschaft – das hat was vom oberen Drittel der Zunft. Die Geschichte lief dann so: Mit breiter Brust erreicht die oberbayrische Heldencrew die Atlantikküste genau an dem Hafen, der als das Zentrum wagemutiger Weltumsegelungen gilt. Das brüllende Meer rückt den Kopf schon beim Verlassen des Lkws zurecht und mahnt zur realistischen Selbsteinschätzung, besonders in Sachen Wahrnehmung der heimischen Wellenhöhe. Eine erste Kontaktaufnahme mit den Elementen verläuft ernüchternd. Die Wassermassen von Ebbe und Flut fließen hier schneller, als unser Boot überhaupt segelt. Der französische Seemann hilft unprätentiös mit Motorkraft aus und ist verwundert, dass man ohne überhaupt einen Hafen mit Ozeananschluss verlassen will. Eine Einladung beim Commodore des Gastgeber-Clubs am Abend beendet die kühne Selbsteinschätzung endgültig. Wie beiläufig erzählt der 75-jährige Antoine von seiner Atlantiküberquerung, gerade vor Kurzem. Das Wetter sei schwierig gewesen, aber gut genug für einen neuen Rekord, weil man jedoch nur zu zweit an Bord war, sei der Segelwechsel bei frischer Brise und Wellengang vor allem nachts doch ganz schön anspruchsvoll gewesen. Die frische Brise, die er meinte, war so frisch, dass bei uns am heimischen See niemand mehr segeln würde. Weitere Berichte von Antoine, beziehungsweise der Respekt davor, ließen es dann nicht mehr zu, von eigenen maritimen Großtaten zu erzählen. Seemannsgarn, so wie wir es kennen, scheint bei Leuten, die es den ganzen Tag mit Wind und Wasser zu tun haben, keine große Rolle zu spielen. Die Realität genügt. Mit Begeisterung und neuem Respekt erlebte die bayrische See-Crew trotzdem – mag auch sein, gerade deswegen – die schönste Segelwoche ihrer Regattasegler-Laufbahn. Das Fünf-Seen-Land ist traumhaft und ein wunderbares Geschenk. Auch bei uns nimmt das Leben am und mit dem Wasser einen zentralen Platz ein und sorgt für ein paar Extrapunkte Lebensqualität. Was vielen Seemännern hier wohl öfter mal fehlt, ist die Einsicht, dass der Besitz nur Mittel zum Zweck ist, welcher meistens viel zu selten genutzt wird. Deshalb Leinen los! Ladet eure Freunde ein oder verleiht auch mal die Boote, damit andere die Möglichkeit haben, Außergewöhnliches zu erleben. Nur der Seemann, der genießt, kann echtes Seemannsgarn spinnen. 102 SeeMagazin 2016 | www.seemagazin.de

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