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SeeMagazin 2015

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Im SeeMagazin berichten wir einmal jährlich von besonderen Menschen und Orten aus dem Fünf-Seen-Land. Ein Projekt, das uns schon fast 10 Jahre begleitet und immer wieder begeistert.

SeeGespräch / Klaus

SeeGespräch / Klaus Voormann SONGLINES Musikgeschichte am Küchentisch: Klaus Voormann im Gespräch mit Cornelius Zange (Foto oben), der mit seinem Bruder Benedikt die Band Takamahak gegründet hat. „Unsere Musik nennen wir Indie Rock ’n’ Roll. Die Beatles sind die einzige Band, die mir nie langweilig wird, weil ich sie ständig neu für mich entdecke.“ Voormann schmunzelt. Er beherrscht seine selbst gebaute achtsaitige Gitarre immer noch virtuos. Wie sein zweites Metier, die Grafik (Foto rechts). 26 SeeMagazin 2015 | www.seemagazin.de

Das berühmte „Revolver“- Cover von 1966 konnte als erste Plattenhülle einen Grammy gewinnen Fotos: Michael Darling (4), Plattencover: Michael Ochs Archives/Getty Images Spätestens jetzt müssen die Beatles kommen ... Wenn Sie an sie denken, was fällt Ihnen dann zuerst ein? Da gibt’s mehrere Bilder. Einmal alle vier, noch ganz jung und nicht berühmt, als ich sie in Hamburg kennengelernt habe. Dann die Zeit, als ich bei George Harrison in London gewohnt habe oder später, als mich John Lennon nach New York eingeladen hat. Das sind die stärksten Eindrücke. Mit George Harrison waren Sie sehr befreundet. Was hat ihn so besonders gemacht? Ach George. Ich habe gerade vor ein paar Tagen mit Astrid Kirchherr telefoniert, von der ja die berühmtesten Beatles- Fotos stammen und die auch ganz früh zu unserem Freundeskreis gehörte. Wir haben darüber gesprochen, dass wir lange nichts mehr von Olivia Harrison, Georges Frau, gehört haben. Ja, und dann merkst du, es ist jetzt ja mehr als 50 Jahre her, dass wir George kennengelernt haben. Er war damals gerade 17 Jahre alt. 2001 ist er mit 58 an Krebs gestorben. George war ein sehr liebevoller Mensch, zu dem der Kontakt nie abgebrochen ist. Er war sehr spirituell und gleichzeitig auch witzig, sogar sarkastisch. Du hast dich gefreut, wenn ein Brief von ihm kam oder er eine Schallplatte geschickt hat. Oft rief er an und sagte: „Kommt mich doch besuchen!“ Er war jemand, der sich um dich gesorgt hat, und wir uns auch um ihn. Es war eine echte tiefe Freundschaft. Meine Oma erklärt mir immer, Rock ’n’ Roll war für sie die große Freiheit. Haben Sie das auch so empfunden? Meine Frau Christina sagt das auch. Ich bin ein bisschen älter als sie und die Beatles, habe damals in Hamburg schon Kunst studiert, da war dieses Gefühl von Ausreißen und neuer Freiheit nicht mehr so stark. Was sich dann alles aus der Rockmusik entwickelt hat, zum Beispiel Musik als Protest gegen den Vietnamkrieg und, und, und – das war wirklich aufregend. Junge Stars kommen ganz oft nicht mit ihrem Ruhm zurecht und drehen ab. Die Beatles waren ja auch sehr jung. Hat der Erfolg sie schnell verändert? Nein, die haben ihren Humor behalten. Das Einzige, was sie wirklich beeinflusst hat, waren die Medien. Sie konnten ihre frechen Sprüche nicht mehr bringen, die sie noch im Hamburger Kaiserkeller draufhatten. Wenn ihnen doch mal was rausgerutscht ist, stand das gleich groß in der Zeitung. „Shit“ und „Fuck“, ja, da wurden sie vorsichtiger. Bei ihren ersten Interviews in den USA fragte sie jeder nach ihrer Frisur und wie man sie nennt. Sie sagten: Das ist ein Fred!, was natürlich ein reiner Joke war. Sie waren wirklich witzig, haben sich die Bälle zugespielt. Typisch Liverpool. Was sich im Laufe der Jahre leider immer mehr verwässert hat, bis sie schließlich sogar überempfindlich reagierten. Als Einzelpersonen aber blieben sie, wie sie waren. Die britische Mentalität hat Sie immer fasziniert, oder? Und wie! Die Engländer waren viel offener. Wir Deutsche sind da steifer, sehr bedacht. Diese Zurückhaltung ging mir auf den Keks, ich wollte raus. Ich musste nach England. Damals hatte ich noch nichts mit der Musik zu tun, ich habe einen Job als Grafiker gesucht und in der Smith Walden Agency gearbeitet. Sogar auf Wikipedia findet man dieses Zitat von Paul McCartney: „Klaus ist ein wunderbarer Mensch, ein verrückter Hund, ein leidenschaftlicher Kunstund Musikliebhaber, ein prächtiger Vater und Ehemann, ein enger Freund und ein totales Arschloch“ ... ... ja, das meine ich doch! So geht das bei uns immer. Das ist lustig gemeint, britischer Humor eben. Da fällt mir noch so ein Beispiel mit John Lennon ein, als er mich anrief, ob ich das Cover für „Revolver“ zeichnen würde. Ich sagte: „John who“, er darauf „John me, you fool!“ Es war ein ewiges Aufziehen und Rumblödeln. Sie haben mit den Beatles gespielt und mit anderen großen Musikern und Bands – und waren trotzdem immer der Sideman, der Mann im Hintergrund. Waren Sie mit dieser Rolle wirklich zufrieden? Na ja, als Mitglied der Manfred-Mann-Band habe ich miterlebt, wie es ist, oben auf der Bühne zu stehen. Das war okay. Aber besser gefallen hat mir tatsächlich immer die Situation mit den Musikern im Studio. Etwas gemeinsam zu kreieren. Mir war das Publikum überhaupt nicht wichtig. Können Sie mir verraten, was einen guten Song ausmacht? Oh Mann, das ist schwierig … www.seemagazin.de | SeeMagazin 2015 27