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SeeMagazin 2014

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Im SeeMagazin berichten wir einmal jährlich von besonderen Menschen und Orten aus dem Fünf-Seen-Land. Ein Projekt, das uns schon fast 10 Jahre begleitet und immer wieder begeistert.

Löwenzahn (Taraxacum

Löwenzahn (Taraxacum officinale) Für Gärtner ist der Löwenzahn meist nur ein Unkraut, für Wildkräuterfreunde dagegen ein Genuss. Besonders im Frühjahr können eine Handvoll Löwenzahnblätter über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg die Frühjahrsmüdigkeit beseitigen, den Körper nach dem Winter mit Vitaminen und Eisen versorgen und ihn gleichzeitig entgiften. Laut Naturheilkunde gibt es kaum eine wirksamere Heilpflanze, um die Leber nachhaltig zu regenerieren! Der tägliche Löwenzahngenuss kann bei depressivreizbarer Stimmungslage mit Antriebsunlust zu positivem Stimmungsumschwung führen. Auch nach dem Frühjahr ist der Löwenzahn genießbar, wird allerdings bis zum Herbst deutlich bitterer (Bitterstoffe fehlen uns häufig, deshalb gut für Magen und Darm!). Mein Tipp: Für die zähen großen Blätter empfiehlt sich die Zubereitung als Löwenzahnpesto mit Olivenöl, Pinienkernen und Parmesankäse. Wasserlinse (Lemna minor) Im Fünfseenland entdeckt man die Wasserlinse häufig in stehenden, sauberen Gewässern. Als Nahrungs- und Heilpflanze ist sie kaum mehr bekannt. Dabei wurde sie von unseren Vorfahren wegen ihres großen Nährwerts – der Eiweißgehalt von Wasserlinsen ist höher als der in Sojabohnen – äußerst geschätzt. Hildegard von Bingen empfahl ein mit Weißwein zubereitetes Wasserlinsenelixier, um „die unnützen Säfte im Menschen zu mindern“ – eine mittelalterliche Entgiftungskur also. Weitere Zutaten zu dieser schmackhaften Rezeptur sind Weißer Pfeffer, Ingwer, Fenchel, Zimt und Bienenhonig. Mein Tipp: In Salaten sind die kleinen Linsen relativ zäh, deshalb werden sie besser getrocknet, gemahlen und als Suppeneinlage oder als Zusatz zu Mehl verwendet. Spitzwegerich (Plantago lancelota) Bereits im zeitigen Frühjahr ist der Spitzwegerich an seinen langen, schmalen Blättern deutlich zu erkennen. Dann ist es auch die beste Zeit, um die Pflanze zu sammeln. Mit ihrem herben Geschmack bereichert sie frische Salate um eine verdauungsfördernde Komponente, vor allem aber ist sie ein geschätztes Heilkraut. Ein Sirup aus Spitzwegerichblättern ist schleimlösend und mildert den Hustenschmerz, er wird bei Erkältungen und Bronchitis verwendet. Die Zubereitung von Tee aus der getrockneten Pflanze ist weniger günstig, da sich durch das Trocknen der antibiotisch wirksame Inhalts - stoff Aucubin abgebaut hat. Mein Tipp: Im Spätsommer ist nochmals ein guter Zeitpunkt, um Spitzwegerich zu sammeln – diesmal aber die Samen. Für Vögel sind sie im winterlichen Futterhäuschen ein echter Leckerbissen. Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) Zu den hübschesten Pflanzen gehört der Frauenmantel. Ist seine gelbe Blüte auch eher unscheinbar, so zeigt er besonders am Morgen nach einer Gewitternacht sein besonderes Geheimnis. Wie funkelnde Kristalle reihen sich Wassertropfen im Sonnenlicht am fein gezackten Blattrand. Es sind aber keine Regen-, sondern sogenannte Guttationstropfen, die der Frauenmantel mit den Wurzeln aufgenommen und durch seine Blattadern hindurchgeleitet hat. Die Alchimisten des Mittelalters sollen diese Guttationstropfen zu Gold gemacht haben … Mein Tipp: Der Frauenmantel ist auch heute Gold wert. Durch seine Phytohormone reguliert er als Heilpflanze zu starke Menstruation, unterstützt den Körper bei Wechseljahrsbeschwerden und wird sogar bei Kinderwunsch eingesetzt. Strahlenlose Kamille (Matricaria discoidea) Die Strahlenlose Kamille ist ein Einwanderer. Im 19. Jahrhundert ist ihr die Flucht aus dem Botanischen Garten Berlin gelungen. Die kleine Pflanze überwuchert aber nicht wie andere Neophyten, etwa das gefürchtete Springkraut, die heimische Flora, sondern siedelt sich bescheiden in Trittrasen und auf Ödland an. Sie riecht fast wie die Echte Kamille, wobei sich ihre Inhaltsstoffe etwas anders zusammensetzen. Trotzdem hat sie ein sehr ähnliches Wirkungsspektrum: Teezubereitungen und feuchtwarme Wickel daraus sind ein geschätztes Mittel bei Magenverstimmung, unspezifischen Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen speziell bei Kindern. Mein Tipp: In selbst gemischten Stilltees ist sie ein guter Zusatz, da sie die Milchbildung fördert und sich positiv auf die Verdauung der Säuglinge auswirkt. Waldziest (Stachys silvatica) Glücklicherweise wächst diese auffallend hübsch gezeichnete Pflanze an schattigen, feuchten Orten. Stünde sie in der warmen Sonne, würde ein Effekt auftreten, der so nur an ganz heißen Tagen zu bemerken ist: Der Waldziest stinkt nach einer Mischung aus alten Lumpen und Katzenurin, was auch beim Zerreiben der Blätter zu riechen ist. Doch: In der Kräuterheilkunde gehört die Familie der Zieste zu den wert vollsten Gewächsen. Der Waldziest war bei den Heilkundigen wegen seiner antiseptischen Wirkung ein geschätztes Heilmittel zur Versorgung von frischen Wunden und Blutungen. Mein Tipp: Zerreibt man seine Blätter ganz fein und wirklich sehr gründlich, verändert sich der Geruch, und es entfaltet sich ganz im Gegenteil ein feines Steinpilz-Aroma. So vor - be reitet kann das Kraut dann zu einer köst lichen Waldpilz-Butter verarbeitet werden. 50 SeeMagazin 2014 | www.seemagazin.de

Knoblauchrauke (Alliaria petiolata) Nur ganz frisch geerntet entfaltet die Knoblauchrauke ihren köstlichen Geschmack. Im getrockneten Zustand hat sich das Aroma völlig verflüchtigt. Das Kraut entfaltet seine entzündungshemmende, entwässernde und schleimlösende Heilwirkung auch nur, wenn sie sofort nach der Ernte als alkoholischer Auszug angesetzt wird. Sie wird besonders zur Blutreinigung in der Behandlung von Hautunreinheiten und Ekzemen verwendet. Nach der Blüte können die schwarzen reifen Samen mit Essig und Salz zu Senf verarbeitet werden. Beim Sammeln ist allerdings etwas Umsicht geboten, die Pflanze siedelt bevorzugt an Orten, die von Hunden markiert werden. Mein Tipp: Das leicht flüchtige Senföl der Knoblauchrauke verleiht Salaten und Kräuterquark eine frische unaufdringliche Knoblauchnote und ist so wohlschmeckender Bestandteil einer Frühjahrskur. ASTRID SÜSSMUTH Die 41-jährige Heilpraktikerin mit Praxis in Gauting ist Buchautorin und passionierte Bergsteigerin. Grundlagen ihrer Arbeit sind das Kräuterwissen ihrer Vorfahren aus den Bergen und die eigenen Naturerlebnisse. In vielen Veröffentlichungen, Exkursionen und Seminaren gibt die Mutter von drei Kindern ihr großes Pflanzen wissen weiter. Termine mit Astrid Süßmuth im Sommer 2014: • Kräuterträume am Gardasee (15. – 18. Mai) • Kräutertage in Tirol (27. – 29. Juni) • Bayerische Alpenflora, Heilpflanzen und Kräuter im Wettersteingebirge (18. Juli) Infos www.vomgletscherzumsteinkreis.de „Lexikon der Alpenheilpflanzen, Heilkunde und überliefertes Wissen“ von Astrid Süßmuth, AT Verlag Exklusive Anfertigungen & Individuelle Entwürfe Maximilianstr. 9a | 82319 Starnberg Tel 08151 97 16 77 | www.svenfrericks.com