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SeeMagazin 2014

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Im SeeMagazin berichten wir einmal jährlich von besonderen Menschen und Orten aus dem Fünf-Seen-Land. Ein Projekt, das uns schon fast 10 Jahre begleitet und immer wieder begeistert.

SeeWerk EEs ist nur ein

SeeWerk EEs ist nur ein einfaches Rechenexempel, trotzdem ein schönes Bild: Wenn man für zwei Meter eines hochwertigen Stoffs die Wolle eines Schafs pro Jahr benötigt, dann braucht man für eine Länge von zwölf Kilometern die Schur von gut 6000 Schafen. Und das wäre genau die Wegstrecke von der Wollmanufaktur Rohi in Geretsried bis zum Starnberger See – eigentlich ein Katzensprung, aber in diesem besonderen Stoff-Fall vielleicht die gesamte Bestuhlung eines Theaters, auf alle Fälle ein veritables Vermögen. Wer bitte, Rohi? Eine Weberei in der Seeregion? Ja genau hier: Hinter den Schrebergärten von Geretsried-Süd liegt fast versteckt in einer Waldlichtung die Design- und Produktionsstätte einer der renommiertesten Hersteller für exklusive Möbel- und Bezugsstoffe. Dass die Anfrage von Professor Dr. Berthold Burkhardt vor einigen Jahren dort landete, als er die Sanierungsmaßnahmen im ehemaligen Kanzlerbungalow leitete, löst bei Experten verständliches Kopfnicken aus. Schließlich ging es darum, einen detailgetreuen und edlen Wollstoff für die „Kanzlersofas“ nachzuweben. Die beiden Sitzgruppen mit zwei Chesterfield-Sofas und acht Eames Chairs – einmal in Weiß, einmal in Schwarz – waren zwischen 1964 und 1999 ziemlich strapaziert worden. Von den Regierungschefs Ludwig Erhard bis Helmut Kohl, ihren Familien und vielen Staatsgästen. Novum, so der Name der bedeutungsschweren Wiederauflage mit puristischer Oberfläche, wurde also bei Rohi geordert, designt, gefertigt und schlägt seitdem die Brücke zwischen Geretsried und dem denkmalgeschützten Bonner Bungalow des Architekten Sep Ruf. Wahrscheinlich sind Sie auch schon auf Rohi gesessen – in der renovierten Olympiahalle in München zum Beispiel, im „Four Seasons“ in Hongkong, der Philharmonie in Berlin, auf einem Designsessel von Vitra, Benz oder Cassina, wenn Sie Langstrecke fliegen mit Lufthansa, den Emirates, Qatar Airways oder Singapore Airlines. Eben in den feinen Sesseln, Sitzen und Sofas dieser Welt. Begonnen hat die Stoffmanufaktur mit den vielfach ausgezeichneten Geweben 1933 in einer Dachkammer im böhmischen Schönlinde, wo Marga Hielle-Vatter und ihr Mann Rolf, ein Textilingenieur, mit handgesponnenen Garnen experimentierten und das Familienunternehmen gründeten. Die Anfangsbuchstaben des Hausherrn lieferten den Namen, wobei gerade die Kreativität der Frauen in der Familie auch zukünftig eine bedeutende Rolle spielen sollte. Margas Enkelin Karin Hielle-Dahm leitet heute als Designchefin und Geschäftsführende Gesellschafterin den Betrieb in dritter DIE PIONIERIN Die Kreativität und Eleganz von Marga Hielle-Vatter prägen heute noch die Dessins der Webstoffe. 1933 hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann Rolf die Wollmanufaktur Rohi gegründet. In dritter Generation produziert das Familienunternehmen nun in Geretsried – inzwischen mit computergesteuerten Webstühlen und viel handwerklichem Können. 30 SeeMagazin 2014 | www.seemagazin.de

EINE DACHKAMMER IN BÖHMEN, EIN SPINNRAD AUF DER FLUCHT UND KAMMGARN VOM BESTEN SeeMagazin 2014 | www.seemagazin.de 31