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SeeMagazin 2014

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Im SeeMagazin berichten wir einmal jährlich von besonderen Menschen und Orten aus dem Fünf-Seen-Land. Ein Projekt, das uns schon fast 10 Jahre begleitet und immer wieder begeistert.

„Natürlich ist es,

„Natürlich ist es, wenn man ehrlich ist, ein sehr weibliches Haus.“ 20 SeeMagazin 2014 | www.seemagazin.de

SeeGespräch / Patricia Riekel BILDER & NEWS In der Galerie (Foto linke Seite) hängen Bilder von Riekels Vater neben moderner Kunst. Bücher und Bilder auch im türkisen Wintergarten (Foto oben, Patricia Riekel mit Elke Reichart). Im Bad hängen Pariser Stadtansichten, fotografiert von Karl Lagerfeld. Und überall im Haus sind Flachbildschirme versteckt, um keine News zu verpassen. ganz allein ist. Am Chiemsee, wo ich auch schon einmal ein Haus hatte, habe ich mich einsam gefühlt. Auch auf meinen Reisen … Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kann das Gefühl sehr gut aushalten, aber hier in Ambach habe ich es niemals. Selbst, wenn ich hier nachts allein bin, fürchte ich mich nie. An anderen Plätzen schon, aber hier nicht.“ Sie sind in Holland geboren, haben kurz in England gelebt. Als Sie fünf Jahre alt waren, sind ihre Eltern an den Starnberger See gezogen. Sie sind also hier aufgewachsen, das mag die Vertrautheit erklären. „Ja, aber wir haben immer auf der anderen Seite des Sees gelebt! Das ist doch eine Philosophie: Wohnst du am Westoder Ostufer? Die einen reden vom Sonnenaufgang, die anderen vom Sonnenuntergang. Am Westufer hat man die S-Bahn, hier ist man abseits. Wenn man in Ambach am Ostufer einkaufen will, muss man die sieben Kilometer nach Münsing fahren, denn hier gibt es nur den Kiosk. Dennoch … Ich hatte auch mal das Angebot, nach Tutzing zu ziehen. Ich mag den Ort, dort bin ich aufgewachsen. Aber ich würde dieses spezielle Ambacher Flair nicht aufgeben wollen. Hier sind alle Häuser offen, man kann überall klingeln und ist willkommen – halt, nein, das stimmt nicht. Man klin - gelt nicht. Man ruft einfach nur ‚Hallo‘ oder ‚Permesso‘. Wenn man zweimal auf der Straße hin und her geht, trifft man immer jemanden.“ Sie haben lange in Garatshausen gewohnt, später in Bernried. Waren Sie in Ihrer Kindheit manchmal an der Ostseite des Sees? „In Garatshausen wohnten wir in einer alten Villa oberhalb vom Freibad, wir mussten nur über die Wiese laufen, dann waren wir dort. Eine schönere Kindheit geht gar nicht, liebevolle Eltern, meine drei Geschwister, Geld war allerdings eher Mangelware. Mein Vater war Künstler – erst Professor für Philosophie und Psychologie, später hat er unter dem Pseudonym Harald Bratt Drehbücher und fürs Theater geschrieben. Meine Mutter war Schuldirektorin in Tutzing. Ich erinnere mich, dass in meiner Schulzeit der See manchmal zugefroren war, man konnte dann bis zum anderen Ufer hinüberlaufen. Später war das Ostufer für mich ein Sehnsuchtsort, wie Kalifornien: Christian Schmidt, der Sohn des Zeichners der Comicfigur Nick Knatterton, war mein Freund, zur Clique gehörte auch Patrick Süskind. Ich bin mit dem Dampfer zu ihnen hinübergefahren, von Bernried nach Ambach. Wir waren segeln oder sind einfach nur herumgelaufen. Ich habe immer gedacht, in Ambach sind die Menschen anders, viel künstlerischer veranlagt. Von den Kindern, die hier lebten, hatten viele ja tatsächlich Eltern, die Zeichner oder Schriftsteller waren. Ich empfand sie alle als besonders eigen. Sie fuhren mit dem Schiff ins Starnberger Gymnasium oder mit dem Bus. Das war wirklich anders als bei uns.“ bruno wird es langweilig. Er fällt ungelenk vom Sofa und beginnt einen unsicheren Rundgang durchs Haus, dem wir uns vorsichtshalber anschließen. „Diesen Holzboden“, Patricia Riekel weist auf die gekalkten Planken im Erdgeschoss, „der stammt aus einem alten Tanzstadl in Niederbayern. ‚Musst du abholen lassen …‘, hat der Besitzer zu mir gesagt, aber natürlich verschwiegen, dass es in die Scheune hineingeregnet hatte. Und dann hatte ich plötzlich Unmengen von nassem Holz in München vor www.seemagazin.de | SeeMagazin 2014 21