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LfA Magazin Herbst/Winter 2019

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Unternehmensgründung ist das Thema des LfA Magazins Herbst/Winter 2019. In dieser Ausgabe stellen wir eine Auswahl von der LfA geförderter Unternehmer vor und im Interview plädiert Felix Haas, Veranstalter der Konferenz Bits & Pretzels, für einen neuen Gründergeist in Deutschland.

MENSCHEN eines Sohnes

MENSCHEN eines Sohnes geworden war. Doch Freundin und Familie stehen hinter ihm. „Anfangs hatte ich nichts außer dem Trommelröster, den ich von meinem privaten Geld gekauft hatte”, erzählt der 38-Jährige. Eine alte Kaffeemaschine mit zwei Mühlen erweiterte bald sein Inventar. „1.600 Euro habe ich dafür bezahlt, das weiß ich noch wie heute. Die musste ich komplett herrichten, aber ich konnte meinen Kaffee verkosten.” Um die Sache ins Laufen zu bringen, waren jedoch noch mehr Zubehör und natürlich Rohkaffee nötig. Die erste Warenlieferung kostete knapp 9.000 Euro, da brauchte es Rücklagen. Der Allgäuer mit ägyptischen Wurzeln war schon immer gut vernetzt und so half auch diesmal ein Freund, der ihn zur Beratung der Raiffeisenbank vermittelte. Mit einem Businessplan in Händen und dem Ziel, seine eigene Rösterei aufzubauen, klar vor Augen, stellte Gourguis sein Vorhaben vor. „Der Bankberater merkte schnell, dass ich für meine Idee brenne, und leitete eine Förderung über die LfA in die Wege”, erinnert er sich. Die Anfangszeit verlangte dem Unternehmer einiges ab, trug aber maßgeblich zu seiner Entwicklung bei: „Es ist wichtig, sich hohe Ziele zu stecken und daran zu arbeiten.” Gourguis besuchte Fortbildungen bei Latte-Art-Weltmeister Christian Ullrich und dem österreichischen Kaffeemeister Goran Huber. „DER BANKBERATER MERKTE SCHNELL, DASS Er experimentierte weiter, testete unterschiedliche Rösttemperaturen und -zeiten, um den ursprünglichen Geschmack des Rohkaffees herauszuarbeiten. „Bei vielen Kaffeeanbietern wird Kaffee nur nach Preis gekauft. Was das für ein Kaffee ist und was er kann, ist egal. Er wird dunkel geröstet und fertig”, erklärt er. Damit sich jeder Kaffee perfekt entwickeln kann, röstet Gourguis sortenrein, erst dann wird gemischt. Der Vorgang ist zeitintensiver, belohnt aber mit außergewöhnlichen Aromen. Seine Mischungen erstellt er nach den Eigenschaften der Bohnen. Eine sehr säurearme zum Beispiel, mit Kaffee aus Brasilien und Indien, weil der von Natur aus wenig Säure Geschmackserlebnis Die Kaffeesorten von Purschwarz überzeugen mit feinem Inhalt und vielversprechenden Namen Kaffeeliebe Bei der Verarbeitung der Rohware steht das ursprüngliche Aroma der Kaffeebohnen im Vordergrund ICH FÜR MEINE IDEE BRENNE“ hat. Es entsteht ein Kaffee, der schokoladig und nussig schmeckt. Gourguis speichert all seine Röstungen in einem eigenen Programm, der Röst-Software „Cropster”. Anhand der Aufzeichnungen generiert er am Monatsende einen Produktionsbericht. Der zeigt ganz genau, wie viel Rohkaffee eingesetzt und wie viel gerösteter Kaffee in den vier Wochen produziert wurde. Im Moment sind es um die 800 Kilogramm. „Für die Kaffeesteuer muss ich monatlich 1.500 bis 2.000 Euro auf der Seite haben – 2,19 Euro pro geröstetes Kilo”, erklärt der Geschäftsmann. Geröstet wird immer nur so viel, wie tatsächlich gebraucht wird. Dafür hat er ein einfaches, aber effizientes System entwickelt. Pro Kaffeesorte sind zwölf Eimer in Umlauf. Ist einer davon leer, kommt das Etikett an die Magnettafel hinter der Röstmaschine. Befinden sich sechs Karten der gleichen Sorte am Produktionsboard, wird nachgeröstet. Aber nicht nur das Handwerk, auch die Wirkung nach außen muss stimmen. Dafür holte sich Gourguis Unterstützung von Marketing-Fachmann Matthias Hiller. Gemeinsam erarbeiteten sie ein stimmiges Konzept. Abgeleitet von Urschwarz – eine Wortschöpfung aus Ursprung und Schwarz –, entstand die Marke Purschwarz inklusive eigenem Produktfotos: Purschwarz 10 LFA MAGAZIN

Online-Shop. Anfang August 2017 ging dann die erste Packung Kaffee über die Verkaufstheke. Und findet Anklang. KOLUMNE „Gründerland Bayern“ In der Lagerhalle gibt es auch eine kleine Kaffeebar. Mittags bereitet entweder Gourguis selbst oder Freundin Andrea Kaffeespezialitäten zu. Die Herkunft und Qualität der Produkte spielen auch da eine große Rolle. Wo immer es möglich ist, setzt Purschwarz auf Regionalität, arbeitet mit ansässigen Marken wie dem Allgäuer Alpenwasser und der Allgäuer Hofmilch zusammen. Ein großer Wunsch ist es, den Kaffee in den nächsten Jahren ganz auf „Direct Trade” umzustellen – also ohne Zwischenhändler und unabhängig vom Marktpreis gehandelt. Nur dann erhalten auch die Kaffeebauern einen fairen Preis für ihre Ware. „Ob ich das zu hundert Prozent erreiche, kann ich nicht sagen. Aber ich möchte darauf hinarbeiten”, so der Familienvater. Laufkundschaft ist im Gewerbegebiet zwar selten, aber wer Purschwarz-Kaffee schätzt, findet seinen Weg in die Rösterei. Bald soll auch eine Verkostung, ein „Open Cupping”, das Angebot für Kaffee-Interessierte erweitern. Im April hat Gourguis seinen ersten Mitarbeiter eingestellt. Der Australier Kai ist sozusagen seine rechte Hand, entlastet und vertritt ihn in allen Bereichen seines Unternehmens. Vervollständigt wird das kleine Team von Andreas’ Vater, der tatkräftig im Lager und beim Versand assistiert. „Ich freue mich jeden Tag, dass ich die Möglichkeit hatte, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich habe die Chance genutzt. Das kann ich jedem mitgeben, der vor dieser Entscheidung steht.” FAKTEN Finanzierung Startkredit Gründung 2016 Standort Wiggensbach im Allgäu Mitarbeiter 2 www.purschwarz.de Online unter: www.lfa.de/magazin Foto: Kilian Blees Hubert Aiwanger Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Bayern ist Wirtschaftsmotor Deutschlands und hat das Potenzial, nun auch Gründerland Nummer eins in Europa zu werden. Gründer finden in Bayern ideale Bedingungen vor und können sich bestmöglich entfalten. Unser Motto ist „anpacken“, gute Ideen in die Tat umsetzen und damit die bayerische Wirtschaft voranbringen. Dafür steht „Gründerland Bayern“. Im Rahmen dieser Initiative haben wir bereits eine Vielzahl konkreter Maßnahmen angestoßen. Daran knüpfen wir nun mit weiteren Projekten an. Prominentes Beispiel ist der Aufbau der Digitalen Gründerzentren. Mit insgesamt 19 Digitalen Gründerzentren an 27 Standorten, mindestens zwei je Regierungsbezirk, gibt es in allen Regionen zentrale Anlaufpunkte für innovative Start-ups. Allein dafür nehmen wir 120 Millionen Euro in die Hand. Start-ups brauchen aber nicht nur Ansprechpartner, sondern auch eine gute Finanzierung. Der Wachstumsfonds Bayern leistet hier bereits einen wertvollen Beitrag, genauso wie das umfassende Engagement der LfA Förderbank Bayern im Bereich Fondsinvestments für innovative Gründer. Erst im vergangenen Jahr wurde beispielsweise die LfA-EIF-Fazilität auf insgesamt 200 Millionen Euro aufgestockt. Dieser Fonds investiert seit 2009 in Venture-Capital-Fonds in Bayern, um das Wagniskapitalangebot im Freistaat für kleinere und mittlere Technologieunternehmen zu erweitern. Auf diese Weise verbessern wir die Finanzierungschancen unserer Start-ups und setzen gezielt Wachstumsimpulse für Bayern. Egal, ob Gründerzentren, Finanzierung oder das gute Zusammenspiel mit Akteuren wie der LfA: Das Gründerland Bayern hat eine ganze Menge zu bieten. Diese Möglichkeiten wollen wir bekannter machen und Gründern eine bessere Orientierung geben. Hierzu starten wir Ende September eine neue Kommunikationskampagne – mit einer dann rundum überarbeiteten Website www.gruenderland.bayern als Herzstück sowie vielen spannenden Elementen. Marketing betreiben wir hier nicht zum Selbstzweck. Uns geht es um viel mehr: Wir wollen Gründer gezielt ansprechen und ihnen konkret weiterhelfen. Wir unterstützen alle Gründer: angefangen bei den Bereichen Kreativwirtschaft, Handel, Handwerk, Tourismus über die Freien Berufe bis hin zu innovativen, digitalen Start-ups. Wir wollen Mut machen, Potenziale zu erkennen, anzupacken und in eine erfolgreiche Gründung umzusetzen. Mich haben Sie dabei an Ihrer Seite! LFA MAGAZIN 11