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LfA Magazin Frühjahr/Sommer 2017

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Wie wichtig Nachhaltigkeit für unsere Gesellschaft ist, zeigen wir in der Frühjahr / Sommer Ausgabe 2017 des LfA Magazins: Mit Ifo-Chef Prof. Dr. Clemens Fuest sprechen wir über den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Wachstum. Wir besuchen die Bio-Brauerei Lammsbräu in Neumarkt und stellen das Hightech-Unternehmen Econ Industries aus Starnberg vor, das ein weltweit begehrtes Verfahren zur Reinigung von Bohrschlamm entwickelt hat. Wir hoffen wir stecken Sie an mit der Idee des nachhaltigen Wirtschaftens!

PROJEKTE Größe zeigen:

PROJEKTE Größe zeigen: Im aserbaidschanischen Baku weiht der Präsident der staatlichen Ölfirma SOCAR, Rovnag Abdullayev (rechts), eine Reinigungsanlage der Starnberger Econ Industries ein der Deponiefläche dafür gesorgt, dass umweltfreundliche Verfahren wie unsere Vakuumdestillation auch eine wirtschaftliche Alternative darstellen.“ Während Econ Industries im kommenden Jahr in Australien bereits eine zweite Anlage in Betrieb bringt und selbst aus Ländern wie Turkmenistan Anfragen kommen, würden in Deutschland Sondermüll-Deponien vom Gesetzgeber immer noch völlig anders bewertet, „obwohl sie durch immensen Flächen verbrauch, mög liche Ausgasung oder Unfallrisiken beim Transport auch hierzu lande ökologisch sehr bedenklich sind“. Zurzeit stehen vier VacuDry-Anlagen in Deutschland, unter anderem in Bitterfeld, Leipzig und im Ruhrgebiet. Der Bedarf indes ist riesig: Wie Recherchen von NDR und WDR zeigten, müssten in Deutschland mehr als 1.000 Bohrlöcher dringend gereinigt und aufbereitet werden. Ein beispielhafter Zwischenstand: Aus der „Grube Erika“ im niedersächsischen Geeste wurden 200.000 Tonnen Bohrschlamm mit 8.000 Lkw-Fahrten entsorgt – allerdings nur auf eine Sondermüll- Deponie in Schermbeck in Nordrhein-Westfalen. Für die Produktion der Reinigungsanlagen arbeitet das Umwelttechnik-Unternehmen Econ Industries insgesamt mit 15 verschiedenen Maschinenbaufirmen in Deutschland und Österreich zusammen, vier davon sind in Bayern. „Für jedes Thema, von Pumpen bis Stahlbau, gibt es einen IN DEUTSCHLAND WERDEN SONDERMÜLL- DEPONIEN VÖLLIG ANDERS BEWERTET Problem löser, und wir arbeiten wirklich mit den Besten zusammen und verwalten mit unserem Schnittstellenmanagement das gesamte Verfahren“, erklärt Gundlage und betont: „Nicht das Patent der zweistufigen Aufbereitung repräsentiert das Know-how unserer Firma, sondern die zufriedenen Kunden.“ Je nach Größe der Anlage betrage die Lieferzeit zwischen sechs und zwölf Monate und der Aufbau vor Ort zwischen drei und fünf Monate. Gundlage: „Wir lassen den Kunden mit der Maschine nicht alleine und begleiten ihn auf Wunsch bei der Genehmigungsbehörde ebenso wie beim Support während des Betriebs.“ Weil es von Anfang an um die Absicherung von hohen Investitionen ging, kam bereits in einer frühen Phase die LfA ins Spiel, in Form einer Gründerbeteiligung durch die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH, ein Unternehmen der LfA-Gruppe, im Jahr 2008. „Diese Stärkung des Kapitals hat uns ein besseres Rating ermöglicht“, so Gundlage. „Erst dadurch können wir solch große Anlagen finanzieren. Wir haben bei der LfA regelrecht Sparringspartner, die uns sehr gut beraten und uns auch für neue Länder Hinweise und Tipps geben. Die LfA ist als stiller Gesellschafter ein angenehmer Kapitalpartner.“ Auch Reinhard Schmidt und Stephanie Gundlage sind ein eingespieltes Team. Nicht nur, weil sie verheiratet sind und zusammen arbeiten, sondern auch weil sie beide dieselbe Passion haben: Die Münsteranerin und der Recklinghäuser haben sich beim Sportsegeln kennengelernt. FAKTEN Finanzierung Gründerbeteiligung (BayBG) Gründungsjahr 2003 Standort Starnberg Geschäftsfeld Umwelttechnik Mitarbeiter ca. 20 www.econindustries.com www.lfa.de/magazin Fotos: Econ Industries; PR (1) Illustration: (PR) 16 LFA MAGAZIN

ETWAS WARMES BRAUCHT DER MENSCH Als vor rund 60 Millionen Jahren das Aufsteigen der Alpen ein Ende fand und sich die europäische Kontinentalplatte unter der Last des aufliegenden Gebirges herabbog, wurde aus Oben allmählich Unten. Molassebecken wird die Region am Alpennordrand genannt, in deren Tiefen heißes Thermalwasser zirkuliert, das zum Heizen genutzt werden kann. „Die Kunst besteht darin, das Wasser hochzuholen“, sagt Peter Lohr, Geschäftsführer des kommunalen Wärmeversorgers Geovol in Unterföhring. DEM WÄRMEVERSORGER GEOVOL GELINGT IN UNTERFÖHRING ERSTAUNLICHES: MEHR ALS DIE HÄLFTE DES ORTES WIRD MIT GEOTHERMIE BEHEIZT TEXT STEFAN RUZAS Wie das geht, haben er und seine Kollegen zwischen 2008 und 2014 mit zwei Förderbohrungen in Tiefen von 2.300 und 2.500 Metern bewiesen. Lohr: „Wir sind da auf eine Formation gestoßen, die sehr viel Wasser mit einer Temperatur von bis zu 93 Grad enthält.“ Energie pur also, noch dazu nachhaltig. 78,5 Millionen Euro hat der Aufbau der Erdwärmeanlage die rund 11.000 Einwohner große Gemeinde im Norden Münchens gekostet. Allein 24 Millionen Euro PROJEKTE für die Bohrungen. „Eine Gemeinde darf ihre Tochterfirmen laut EU-Recht nicht unendlich mit Geld unterstützen, deswegen war das Tiefengeothermie- Förderprogramm der LfA ein wichtiger Baustein“, berichtet Geovol-Manager Lohr. Anfangs habe man mit einer Anschlussquote von 35 Prozent gerechnet, schon jetzt sei man bei mehr als 50 Prozent. Unter den Kunden sind große Unternehmen des Gewerbeparks, von der Allianz-Versicherung über den Pay-TV-Anbieter Sky bis zum Medienkonzern ProSiebenSat.1. „Das Wasser geht uns nicht aus“, so Lohr weiter. „Wir schicken es ja zurück und müssen das auch nachweisen. Wir dürfen nur entwärmen, nicht entnehmen.“ Weil das warme Wasser auch im Sommer sprudelt, forciert Geovol gerade ein neues Modell und macht aus Wärme nun Kälte. Zwei Referenzprojekte gibt es bereits. Das Geschäft mit der regenerativen Energie funktioniert also: 2021 erwartet die Vorzeigefirma erstmals einen positiven Jahresüberschuss. Heimische Energie Das Fernwärmenetz von Geovol (rechts: die Zentrale) hat bereits eine Länge von 22 Kilometern. Es ist meist unter Straßen (links) verlegt FAKTEN Foto: Name; Name Finanzierung Infrakredit Tiefengeothermie (LfA) Gründungsjahr 2007 Standort Unterföhring www.geovol.de Mehr zur Einweihung der Anlage finden Sie unter www.lfa.de/magazin LFA MAGAZIN 17