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KPM Magazin 2020

Für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin konzipierte Storyboard 2017 ein eigenes Magazin: WEISS. Nach der ersten Ausgabe ganz in Weiß, der zweiten in Schwarz und der Dritten im Bauhaus-Look, folgt nun die vierte Ausgabe im Kurland-Design.

MANUFAKTUR HAPPY

MANUFAKTUR HAPPY BIRTHDAY, KURLAND! Text: SANDRA WINKLER BEREITS VOR 230 JAHREN wurde im Schloss Friedrichsfelde auf dem Service KURLAND delikat zubereiteter Fasan serviert. Bis heute ist das Geschirr mit der auffälligen Reliefbordüre das beliebteste und erfolgreichste der KPM – und es bleibt zukunftsweisend Bilder: Bild: Frank Xxxxxxxxxxx Hülsbömer KPM Magazin 24 N°. 04

Bilder: KPM Berlin B PORZELLAN BERLIN ENDE DES 18. JAHRHUN­ DERTS: Damen flanieren in Chemisenkleidern über den Boulevard Unter den Linden oder im Tiergarten. Das Brandenburger Tor befindet sich noch im Bau und für die schnellere Fortbewegung sind Kutschen unterwegs. Die spazierenden Damen halten Sonnenschirme in der Hand, am Arm ihre Begleiter. Die meisten Männer kleiden sich mit dem Herrenrock, einer Art Frack – vorne kurz, hinten lang –, dazu weißer Stehkragen und Schnallenschuhe. Der moderne Mann trägt jetzt Zylinder, so setzt er nicht nur einen Hut auf, sondern sich auch mit dem Adel gleich: ein Zeichen des Wandels. In Paris tobt die Französische Revolution. Auch in Berlin kommt der Wunsch nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf – aber die Verbürgerlichung beginnt erst langsam und ruhiger. Nach dem Tod von König Friedrich II. regiert sein Neffe Friedrich Wilhelm II. Neben seiner Gemahlin, der Königin, hat er eine offizielle bürgerliche Mätresse. In den aufkommenden literarischen Salons in Berlin mischen sich Aristokraten mit Denkern und Künstlern. Und die KPM? Wie sein Onkel deckt zwar auch Friedrich Wilhelm II. seinen Porzellanbedarf bei der Königlichen Manufaktur, doch sein Amt als Fabrikherr überträgt er lieber einer Kommission. Die KPM wird zu einem technologisch führenden Unternehmen VON ZEITLOSER ELEGANZ An einer KURLAND Tasse arbeiten 25 Manufakturisten 14 Tage. Insgesamt benötigt die Herstellung 29 Arbeitsschritte. 1790 entworfen, gilt KURLAND als das bedeutendste Berliner Service des Klassizismus. Es wird heute mit mehr als 13 Malereidekoren angeboten. Klare Linien, einfache Formen. Mit rund 70 Teilen zählt KURLAND zu den umfangreichsten Kollektionen der KPM. Wo die Currywurst erfunden wurde? Na, in Berlin! Die Currywurstschale ist daher das perfekte Souvenir. in Preußen und schafft die erste Dampfmaschine in Berlin an. Sie ersetzt so die Pferde für den Antrieb der Glasurmühlen. Wirtschaftlich geht es steil bergauf. Die Manufaktur fertigt damals nur nach Auftrag. Einen ganz besonderen erhält sie um 1790 von Peter von Biron. Der musik- und kunstliebende Herzog von Kurland und Semgallen war mit seiner dritten Gemahlin vom Baltikum nach Berlin gezogen. Das Herzogspaar hatte sich das Schloss Friedrichsfelde in der Nähe der Stadt gekauft. Dieses muss nun eingerichtet werden. Und natürlich darf ein angemessenes Tafelservice nicht fehlen. Prächtig soll es sein, aber auch modern, so wünscht es Peter von Biron. Was sich Ende des 18. Jahrhunderts bereits in der Kleidung und im gesellschaftlichen Leben andeutet, macht sich auch im Design bemerkbar: Die Zeit des repräsentativen Rokokos, wie es mit seinen üppigen Dekoren am Hof zelebriert wird, geht zu Ende. Unter dem neuen König setzt sich auch in der KPM ein klassizistischer Stil durch, der auf antike griechische oder römische Vorbilder zurückgreift. Für Peter von Biron liefert der damalige Modellmeister der KPM, Johann Karl Friedrich Riese, den Entwurf „Service mit antiquer Kanthe“. Seine Teller, Kannen und Tassen sind symmetrisch, konisch, gradlinig und tragen kantige Henkel „à la grecque“. Die fast schon strenge Form bekommt eine verspielte Reliefbordüre aus Schmuckelementen der Antike: Tuchgehänge, Eierstäbe und einen Perlrand. Bei dem für Peter von Biron entworfenen Dekor werden die goldenen Schmuckelemente hochglanzpoliert, die vergoldeten Tuchgehänge auf einem grünen Fond werden mit dem Achatstift graviert. Wahrscheinlich war das Service auf den Apricot-Farbton des Treppenhauses im Schloss Friedrichsfelde abgestimmt. Feld- und Wiesenblumen mit Gräsern und Schmetterlingen zieren zudem das Geschirr – für diese Zeit N°. 04 25 KPM Magazin