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KPM Magazin 2019

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Für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin konzipierte Storyboard 2017 ein eigenes Magazin: WEISS. Nach der ersten Ausgabe ganz in Weiß und der zweiten in Schwarz folgt jetzt die Dritte im Bauhaus-Look – passend zum diesjährigen Jubiläum.

plötzlich. Und am Ende

plötzlich. Und am Ende bekommt es diese Festigkeit, diese einzigartige Haptik, für die wir Porzellan lieben. Ein sehr lebendiges Material – und jedes Objekt ist ein Einzelstück. Ist Porzellan für Sie ein neuer Werkstoff? Ja, es steht im Kontrast zu den Materialien, mit denen wir normalerweise arbeiten: Aluminium und Stahl. Eben deshalb ist Porzellan so spannend für uns. Ein Möbel mit Charakter: Der Beistelltisch „Meta“ aus der limitierten Serie „Truth to materials“ gehört zu den Signature-Stücken von New Tendency Wie gehen Sie bei Ihren Entwürfen vor? Wir wollen keine rein funktionalen Design-Objekte schaffen, sondern lebendige Produkte mit ausdrucksstarkem Charakter. Das ist auch die Entscheidungsgrundlage bei der Frage, ob wir ein bestimmtes Produkt veröffentlichen oder nicht. Es kann vom Design oder von der Handhabung her funktionieren, aber wenn es an Persönlichkeit fehlt, dann lassen wir uns lieber Zeit und entwickeln den Entwurf weiter. Die KPM schafft auch Kulturgut . . . Ja, diesen Anspruch hat die KPM. Deswegen passte die Zusammenarbeit auch von Beginn an. Das Spannende ist, dass die Menschen den Charakter eines Objekts sofort verstehen, und zwar auch nonverbal. Wenn sie ein Produkt von uns oder von der KPM sehen, dann entsteht sofort eine Beziehung zu dem Objekt. KPM und New Tendency haben gemeinsam eine Design-Studie zu einem Teller entwickelt, der in Produktion geht. Warum ein Teller? Wir wollen Dinge entwerfen, die man täglich benutzt, die selbstverständlich sind und den Alltag bereichern. Der Teller ist ein gutes Beispiel: Man verwendet ihn nicht nur einmal am Tag, sondern wahrscheinlich eher dreimal. Welche Design-Idee steckt in diesem Teller? Wir haben versucht, den Teller neu zu denken und ihn mit japanischen Einflüssen zu verbinden. Es ging darum, eine Bühne oder einen Rahmen zu schaffen – etwa für ein schönes, mit Liebe zubereitetes Gericht – und die kulinarische Kreation zu würdigen. Schön in der Schwebe: Die Teller werfen durch den hohen Fuß einen Schatten – das verleiht ihnen Leichtigkeit. Es handelt sich um Entwürfe, sie sind noch nicht erhältlich Sie sprechen häufig von Poesie. Wie viel Poesie steckt im Porzellan? Porzellan ist ein sehr poetisches Material. Es verändert sich ja innerhalb des Schaffensprozesses. Der Werdegang von Porzellan gleicht einer Biografie: Der erste Zustand ist nahezu flüssig, dann wird es fast ledrig, aber immer noch formbar, anschließend wird es vorgebrannt und schrumpft Kolossal schlicht: Das Glas „Rien“ lässt New Tendency aus Borosilikatglas fertigen. Es wird wegen seiner Temperaturbeständigkeit oft in Laboren verwendet Wie haben Sie die Idee umgesetzt? Wir haben einen außergewöhnlich hohen Fuß entwickelt. So entsteht unter dem Teller ein Schlagschatten – und der Teller scheint zu schweben. Von der Form ist er filigran und flach gearbeitet. Von vorne sieht er fast aus wie ein japanisches Serviertablett in Doppel-T-Form, sehr transparent. Dreht man den Teller, ist er komplett geschlossen. Und von oben sieht man den perfekten Kreis. Stapelt man die Teller übereinander, bilden sie eine eigene Form, beinahe wie eine Skulptur . . . Ja, das Objekt sollte nicht nur alleine funktionieren, sondern auch in der Vielzahl. Wir haben am runden Fuß des Tellers mit einem ganz präzisen Schnitt einen Teil in der Mitte herausgenommen, um die Leichtigkeit des Tellers zu unterstreichen. Das ist ein Gestaltungselement, das wir bei fast allen Objekten spielen: den Kontrast zwischen sehr filigranen und sehr massiven Formen. Bilder: Jonas Lindstroem, PR, New Tendency KPM Magazin 38 N°. 03