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KPM Magazin 2019

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Für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin konzipierte Storyboard 2017 ein eigenes Magazin: WEISS. Nach der ersten Ausgabe ganz in Weiß und der zweiten in Schwarz folgt jetzt die Dritte im Bauhaus-Look – passend zum diesjährigen Jubiläum.

Spannende Aufgabe für

Spannende Aufgabe für das Design-Team der KPM: die Kreation neuer Dekore für die Bauhaus-Serie HALLE Anlässlich des Jubiläums ziert die Vase HALLE das geometrische Muster einer original Bauhaus-Tapete. Die Edition ist limitiert Bild: Jan Mielke KPM Magazin 24 N°. 03

A S V E E L A H L Oberseestraße in Alt-Hohenschönhausen geplant. Die kunstvollen Blumenarrangements sind eine Hommage an diese Zeit – vor allem aber an die Porzellangestalterin Marguerite Friedlaender-Wildenhain, die die HALLE Vase 1929 für die KPM Berlin entworfen hat. Die Objekte der Design-Ikone markieren den Beginn der Moderne bei der KPM. Die Zusammenarbeit begann, als Günther von Pechmann 1929 als Direktor die Manufaktur übernahm. Der engagierte Werkbundmann setzte auf zeitgemäßes Gebrauchsporzellan und suchte den Kontakt zur damaligen Design-Avantgarde. In der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle fand er die richtigen Partner, um die KPM Berlin in eine neue Ära zu führen. Zu dieser Zeit leitete Marguerite Friedlaender-Wildenhain – übrigens als erste Frau – die Porzellanwerkstatt. Zuvor hatte sie als Bauhaus-Schülerin in Weimar in der Keramikwerkstatt des Bildhauers Gerhard Marcks gearbeitet. Als die Keramikklasse in Weimar 1925 geschlossen wurde, folgte Marcks dem Ruf an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle und holte kurz darauf seine ehemalige Schülerin nach. Beide verband aufgrund ihrer Leidenschaft für Porzellan eine lebenslange Freundschaft. An der Burg experimentierte Friedlaender-Wildenhain mit der seriellen Herstellung von Keramik und Porzellan und entwarf im Auftrag des KPM Direktors innerhalb kürzester Zeit die HALLESCHE FORM. Dazu zählten unter anderem ein Kaffee-, Mokka- und Teeservice sowie die Blumenvase HALLE in verschiedenen Ausführungen. Für die Porzellan-Manufaktur in Berlin – bekannt für ihre hochwertige Malerei – waren die Entwürfe radikal neu, handelte es sich doch um ein rein weißes Porzellan, das ganz ohne Dekor auskommt. Die reduzierte ornamentlose Anmutung des Porzellans Friedlaender-Wildenhains sollte zur funktionalen Architektur ihrer Zeit passen. Entsprechend bewarb Günther von Pechmann die modernen Design-Stücke als „Porzellan für die neue Wohnung“. Zeitlos schön, besticht die Vase HALLE bis heute durch ihre klare Linienführung und die gelungene Komposition aus eiförmigem Körper und konischem Vasenhals. Und sie funktioniert auch mit Dekor, wie das Design-Team der KPM Berlin anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums mit der Neuinterpretation des Klassikers beweist. Inspiriert von den original Bauhaus-Tapeten, die die Tapetenfabrik Gebrüder Rasch bis heute herstellt, entstand ein Muster aus filigranen schwarzen Linien. Das geometrische, sich in der Breite der Linien verändernde Raster ziert nur den trichterförmigen Vasenhals und betont dadurch den abgesetzten Korpus der Vase noch deutlicher. Das Bauhaus-Dekor wird in einem aufwendigen Handdruckverfahren auf die Vasen aufgebracht. Neben der handbedruckten Edition bringt die KPM Berlin auch eine handbemalte Kollektion der Vase HALLE in der Bauhaus-Ästhetik heraus. Die Porzellanmalerin Astrid Schulz, die seit 1983 für die Berliner Porzellan-Manufaktur tätig ist, entwarf neue grafische Dekore, die an die Werke des niederländischen Malers Piet Mondrian erinnern. Sie bestehen neben schwarzen Linien aus den klassischen Bauhaus-Farben Gelb, Rot und Blau, die auf die Farbenlehre des Kunstpädagogen Johannes Itten zurückgehen. Schulz spielt dabei mit der Anordnung der farbigen Linien je nach Größe der Vasen und setzt das geometrische Dekor in ein harmonisches Verhältnis zu der jeweiligen Proportion der geschwungenen Vasenform. N°. 03 25 KPM Magazin