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FOCUS STYLE – Oktober 2017

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Zweimal jährlich, erscheint das Supplement FOCUS STYLE als Beilage im FOCUS. Auch die zweite Ausgabe mit zwei Cover-Varianten von Jérôme Boateng und Clemens Schick wurde von Storyboard produziert. Freuen Sie sich auf 44 Seiten Männer, Mode und Uhren.

INTERVIEW

INTERVIEW Oversize-Lederjacke und Hoodie FAITH CONNECTION. Hose ACNE STUDIOS. ges. im Store München. Sneaker CONVERSE Armbänder privat Menschen, von denen ich mehr erwartet hätte. Man merkt erst, wer zu einem steht, wenn es nicht gut läuft. Ich bin überzeugt, dass ich mich weiterentwickelt habe, auch wenn ich nicht auf dem Platz stand. Als Fußballprofi liebe ich meinen Beruf über alles. Aber es gibt viele andere Dinge, die das Leben lebenswert machen. Welche genau meinen Sie? Ich habe den Alltag meiner beiden Töchter noch intensiver mitbekommen. Die Zwillinge haben mich auf andere Gedanken gebracht und gar nicht zugelassen, dass ich traurig werde. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und sind immer voller Freude, das ist ansteckend. Und trotzdem stellen Sie zwischendurch auch mal die Frage: Papa, wann spielst du endlich wieder? Das hat mich extrem gepusht und mir Auftrieb gegeben. Wir hatten einen Deal, ich würde bald wieder ganz gesund sein und spielen, und die beiden würden sich in der Schule, ebenso reinhängen wie ich mich beim Training. Sie halten Ihren Part sehr gut ein ... ... die beiden auch. Sie besuchen seit letztem Sommer die erste Klasse. Es macht unglaublich viel Spaß, ihnen beim Aufwachsen und bei ihrer Entwicklung zuzusehen. Es macht mich stolz, mit welchem Eifer sie bei der Sache sind. Sie gehen auf eine internationale Schule, und ihr Englisch wird jeden Tag besser. wieder etwas, und man liegt am Boden. Als Fußballer lebt man vor allem von seiner Mannschaft, der Atmosphäre in der Kabine, dem Miteinander. Wenn man verletzt ist, ist man von einem auf den anderen Tag ständig alleine. Allein mit dem Physio, allein in der Rehabilitation, allein beim Krafttraining. Man fragt sich: Was habe ich verbrochen. Warum ich? Wie kamen Sie aus dieser schweren Krise? Meine Familie und meine Freunde waren immer da und haben sich um mich gekümmert. Aber es gibt auch Jérôme Boateng MAN MERKT ERST, WER ZU EINEM STEHT, WENN ES NICHT GUT LÄUFT Warum haben Sie sich für eine englischsprachige Schule entschieden? Ich glaube, als Kind lernt man viel schneller und einfacher. Daher macht es Sinn, den Kindern bereits jetzt eine weitere Sprache mitzugeben. Die beiden sind sechs Jahre alt und machen das im Moment alles spielerisch. Das gibt mir auch ein gutes Gefühl, denn ich möchte sie mit all den Anforderungen nicht überstrapazieren. Sie dürfen und sollen ihre Kindheit genießen. Mit klaren Grenzen, aber auch mit nicht zu vielen Verboten. Sie haben sich aber einem Verbot unterworfen. Und essen nur noch glutenfrei. 38 FOCUS STYLE

Brille „MUSICKID“ JB BY JEROME BOATENG Rolli und Smoking-Blazer MAISON MARTIN MARGIELA, ges. im Store München Hose ACNE STUDIOS, ges. im Store München Sneaker CONVERSE Tatsächlich geht es mir damit viel besser. Ich habe zu Hause auf dem Esstisch einen dicken Ordner, in dem alle Lebensmittel aufgeführt sind, die gut und schlecht für mich sind. Ich bin nicht mehr so oft schlapp, habe mehr Energie, obwohl ich durch die Umstellung ein paar Kilo abgenommen habe. Ich habe nach den Verletzungen wieder Vertrauen in meinen Körper. Und das ist das Wichtigste, um auf dem Platz alles abzurufen zu können . Früher habe ich immer zu wenig getrunken, jetzt steht ständig ein Wasser griffbereit, das ich auch trinke, wenn ich keinen Durst habe. Sie gelten auch abseits des Spielfeldes für viele als Vorbild. Und zwar in Sachen Style. Haben Sie einen Tipp für uns? Ich versuche, nie mehr als drei Farben zu kombinieren. Das ist etwas, das sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Wenn man sich auf wenige Farben beschränkt, wirkt der Look ruhiger und eleganter. Sind Sie auch innerhalb der Mannschaft der Trendsetter? Ich weiß nicht, ob ich ein Trendsetter bin. Ich interessiere mich sehr für Musik und Mode und setze mich gerne damit auseinander. Wenn etwas aufpoppt, das mir gefällt, versuche ich, es zu bekommen. Dabei ist mir egal, ob es ein Trend ist oder nicht. Es muss zu mir passen. Ich möchte meinen eigenen Stil entwickeln und nicht die Kopie von jemand anderem sein. Ich lasse mich überall inspirieren und mixe die Sachen dann so, dass es mein individuelles Ding ist. Kommen Sie als berühmter Sportler leichter an limitierte Teile? Schön wäre es, aber leider ist es nicht so. Ich bin ein extremer Sneakerhead und sammle seit vielen Jahren Sneaker. Da ist es manchmal schon sehr schwer, an die Dinger zu kommen. Zuletzt gab es die Kollektion der Labels Louis Vuitton x Supreme. Da war es noch mal extremer als sonst, weil die Kleidung so streng limitiert war. Aber ich konnte zum Glück eine Handvoll Teile kaufen. Zurück zum Fußball. Während Sie an Ihrem Comeback gearbeitet haben, ist beim FC Bayern viel passiert. Carlo Ancelotti wurde entlassen, Jupp Heynckes erneut als Trainer verpflichtet. Wie haben Sie den Wechsel erlebt? Es lief einfach nicht, also haben die Verantwortlichen reagiert. Beim FC Bayern ist man zum Siegen verdammt. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, der Verein nicht ganz oben steht, sind Spieler und Verantwortliche unzufrieden, es kommt Unruhe auf. Dann werden Konsequenzen gezogen. So läuft es im Fußball. Es hieß oft, Sie seien einer der Spieler, die sich gegen Carlo Ancelotti positioniert hätten. Sind Sie einer der Königsmörder? Das ist absoluter Quatsch. Ich habe auch gelesen, ich sei beim Vorstand gewesen, um mich zu beschweren, was ebenfalls totaler Blödsinn ist. Wenn ich mit dem Vorstand überhaupt mal gesprochen habe, dann ging es darum, was man im Bezug auf die Mannschaft noch besser machen könnte, um vielleicht noch mehr rauszuholen. Ich hatte mit Carlo Ancelotti zwei gute Gespräche. Und das war‘s. Beim letzten Spiel von Carlo Ancelotti, der 3:0-Niederlage gegen Paris Saint-Germain, saßen Sie auf der Tribüne ... ... und ich habe es akzeptiert. Ich war vor dem Spiel und nach dem Spiel in der Kabine und habe die Mannschaft angestachelt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Entscheidung, nicht spielen zu dürfen, nachvollziehen konnte. Da würde etwas ganz falsch laufen, wenn mir das gleichgültig wäre. Aber es kommt oft vor, dass man anderer Meinung ist als der Trainer. Es war bitter und frustrierend für mich in jener Nacht. FOCUS STYLE 39