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Bosch eBike Systems Magazin 2018

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In Zusammenarbeit mit dem Redaktionsbüro Neue Magazin Kultur und der Agentur 2issue verpasste unser Team dem Magazin von BOSCH eBike Systems ein neues Design.

Die ABS-Kontrollleuchte

Die ABS-Kontrollleuchte zeigt an, dass das Bremssystem aktiviert ist „ABS wird bei hochwertigen eBikes Standard“ Claus Fleischer, Geschäftsleiter bei Bosch eBike Systems, über die Entwicklung von den ersten Seilzugbremsen hin zum ABS für eBikes und die Skepsis gegenüber elektronischen Hilfen. Pedelec. Allein in Deutschland sind bereits mehr als drei Millionen mit elektrischer Unterstützung unterwegs. Für Fleischer steht daher fest: „Um diese moderne Form der Mobilität nachhaltig am Markt zu verankern, ist die Sicherheit für eBike-Fahrer und ihre Umwelt ein entscheidender Faktor.“ Darüber hinaus sei es laut Unfallforscher Brockmann wichtig, sich beim Kauf gut beraten zu lassen und eBikes ausgiebig Probe zu fahren, auch wegen des höheren Gewichts der Fahrzeuge. Brockmann hält es angesichts neuer Technologien wie des ABS für eBikes für sinnvoll, dass beispielsweise Verkehrswachten entsprechende Fahrtrainings anbieten. Denn in gefährlichen Momenten richtig zu bremsen, kann man lernen. Allerdings müsse auch die Infrastruktur in den Städten mehr auf das Rad zugeschnitten werden, so Brockmann: „Alle Städte wollen mehr Radverkehr, sie tun aber zu wenig dafür, dass die Infrastruktur auch dafür geeignet ist, verschiedene Fahrradgeschwindigkeiten dann auch sicher zu bewältigen.“ Empfehlungen vom Unfallforscher Siegfried Brockmann ist Leiter der Unfallforschung 3der Versicherer (UDV). Seine Tipps: ▶ Beim Kauf eines eBikes gut beraten lassen und verschiedene Pedelecs zur Probe fahren. ▶ Angebote für Fahrtrainings nutzen. ▶ Die Infrastruktur in den Städten muss besser auf Radfahrer abgestimmt werden. Warum hat Bosch ein ABS für eBikes entwickelt? Wir haben uns in den vergangenen Jahren gemeinsam mit verschiedenen Instituten sehr intensiv die Unfallforschung bei Fahrrädern und Pedelecs angeschaut. Dabei haben wir analysiert, dass viele Unfälle durch Bremsvorgänge eingeleitet werden. Entweder Wegrutschen auf losem Untergrund oder Überschlagen auf festem Untergrund. Deswegen haben wir uns entschieden, ein spezielles ABS zu entwickeln. Weil man somit bis zu 25 Prozent der Unfälle vermeiden kann. In den Bereichen Auto und Motorrad haben wir ja bereits eine jahrzehntelange Erfahrung, wie man ABS entwickelt. Und das Gute ist: Die Pedelecs haben mit der Batterie die nötige Energie für die Elektronik bereits an Bord. Ist das Unfallrisiko bei eBikes denn höher? Das relative Risiko ist gleich wie beim Fahrrad. Was in der Öffentlichkeit kommuniziert wird, sind die steigenden absoluten Zahlen, was logisch ist, weil der Bestand der Elektrofahrräder wächst, aber auch die gefahrenen Kilometer – also die Fahrleistung. Mit dem eBike fährt man zwei- bis drei Mal so häufig und deutlich länger als mit Rädern ohne elektrischen Antrieb. Wir setzen mit unserem ABS-Angebot deswegen auch ganz gezielt bei den Modellen an, für die das interessant ist: City-, Touring- und Trekking-Räder mit 28-Zoll-Rädern. Oft sind es ja ältere Menschen, die stürzen, weil sie vielleicht nicht mehr ganz so sicher Rad fahren und sich beim Sturz nicht gut schützen können. Macht ABS Radfahren sicherer oder einfacher? Die Bremsen der vergangenen Jahrzehnte haben das Radfahren schon einfacher und sicherer gemacht. Erinnern Sie sich an die ersten 44

Voraus denken Claus Fleischer leitet seit 2012 den Produktbereich Bosch eBike Systems in Reutlingen. Bei Bosch arbeitet er seit 1995 kurve weitergeht. Unseren Ingenieuren bei Bosch wird da noch genug einfallen. Wenn man sieht, wie sich das ABS bei Autos und Motorrädern entwickelt hat, könnte ich mir schon vorstellen, dass wir bei der Integration der Bauteile, der Ergonomie und der Performance des ABS noch Luft nach oben haben. Seilzugbremsen, dann Hydraulik- und Scheibenbremsen. Die Bremskraft hat sich also deutlich erhöht. Durch das ABS kommt jetzt noch einmal eine bessere Beherrschung dieser Bremskraft dazu. Vor allem in Momenten, in denen ich vielleicht mal unaufmerksam bin oder schnell reagieren muss. Es bringt also mehr Stabilität. Wie lang hat die Entwicklung gedauert? Von der ersten Idee bis zur Vorentwicklung drei Jahre, für die Serie dann zwei weitere Jahre. Seit 2012 arbeiten wir an dem ABS für eBikes. Es wird ja eine Einführungsphase des ABS geben, nur mit Flottenpartnern. Wer ist das denn? Das können Mietfirmen oder touristische Regionen sein. Die Fahrradhersteller, die unser ABS künftig einbauen, führen da bereits erfolgreiche Gespräche. Uns ist es wichtig, den Handel in dieser einjährigen Einführungsphase auf unsere Innovation vorzubereiten, zum Beispiel mit Schulungen. Interessierte Endkunden können eBikes mit ABS dann ab August/September 2018 im Laden kaufen. Funktioniert das ABS mit allen Bremsenherstellern? Wir haben unser Produkt mit Magura entwickelt, die ein Bremssystem speziell für ABS ausgelegt haben. Die hydraulischen Bremsen und das elektronische Bremssystem müssen sehr exakt aufeinander abgestimmt sein. Im Modelljahr 2018/19 wird es nur diese Kombination geben. Ihr Ziel ist ja, das eBiken auf das nächsthöhere Sicherheitslevel zu bringen. Geht es künftig überhaupt noch höher? Ich möchte nicht ausschließen, dass die Innovations- Hat das ABS für eBikes das Potenzial zum Massenphänomen? Ja, das hat es. Die Analogien beim Auto und beim Motorrad zeigen, dass so etwas zunächst eine Sonderausstattung im Premium-Segment ist, dann ist es irgendwann serienmäßig und in der unteren Preisklasse optional, und irgendwann wird es gesetzlich vorgegeben. Ich glaube schon, dass das bei den hochwertigen Pedelecs Standard wird. Ich könnte mir vorstellen, dass in einigen Jahren die Bereiche City/Trekking überwiegend mit ABS ausgestattet sind. Gilt das auch für eMTB? Möchte ich nicht ausschließen, wird aber noch ein längerer Weg sein. Das eMTB hat eine andere Zielgruppe. Die ist ja sehr sportlich und enthusiastisch. Und in der Regel sind Sportler eher skeptisch gegenüber elektronischen Hilfen. Sie benötigen etwas „Bosch ist Marktführer bei eBike-Systemen und bei Motorrad-ABS. Das passt doch prima zusammen.“ Claus Fleischer mehr Zeit, um sich von Sinn und Nutzen der Technologie zu überzeugen. Das ist der psychologische Aspekt. Dann gibt es aber auch einen technischen. So hat ein 28-Zoll-Touring-Rad nicht so viele dynamische Bewegungen des Schwerpunkts wie zum Beispiel ein voll gefedertes Mountainbike. Der Fahrer ist – anders als beim Auto – relevant für das Gesamtgewicht. Und das muss man beim ABS- Algorithmus berücksichtigen. War Ihnen mit der Gründung von Bosch eBike Systems klar, dass der elektrische Motor irgendwann eine elektrische Bremse brauchen wird? Noch nicht im Jahr 2009, aber spätestens zwei Jahre danach. Was ja logisch ist. Bosch ist Marktführer bei eBike-Systemen und bei Motorrad- ABS. Das passt doch prima zusammen. 45